Leibgericht Bratwurst: Austauschschüler Alp Durur fühlt sich wohl beim BC 70

03. April 2018 von Jan Haselhorst

Soest - Größer könnte der Unterschied kaum sein: Statt in seiner Heimatstadt, der Millionenmetropole Istanbul, lebt der 16-jährige Alp Durur seit einigen Monaten im beschaulichen Soest – und wird noch bis Mitte Juli hierbleiben. „Ich bin sehr glücklich hier und genieße das Leben in Deutschland“, freut sich der junge Türke, der leidenschaftlich gerne Basketball spielt, Musik macht und neue Kulturen kennenlernt.

Leibgericht Bratwurst: Austauschschüler Alp Durur fühlt sich wohl beim BC 70 Der junge Türke Alp Durur spielt nicht nur in der zweiten Herrenmannschaft des BC 70 Soest, sondern ist im Verein auch als Trainer aktiv.© Hoffmann

Mit dem Austauschprogramm AFS ist Alp Durur im September nach Deutschland gekommen, hat erst zwei Monate bei einer Gastfamilie in Frankfurt gelebt. Danach verschlug es ihn nach Soest – wo er jetzt nicht mehr weg möchte. Eigentlich endete sein Austauschprogramm im März, doch er kümmerte sich selbstständig darum, weiter in Deutschland bleiben zu können. Bis Juli lebt er bei einem Mannschaftskollegen. Denn der aufgeschlossene junge Mann ist bestens integriert, spricht gut deutsch, geht aufs Aldegrever-Gymnasium und spielt in der zweiten Herrenmannschaft des BC 70 Soest Basketball. „Ich liebe mein Team“, sagt Alp Durur, der in der Bezirksliga zum Einsatz kommt. Sein bestes Spiel zeigte er gegen den BSC Kamen, wo er neun Punkte zum Sieg und damit zum sicheren Klassenerhalt beisteuerte. „Das war ein toller Moment für mich, den ich nicht vergessen werde“, sagt der 16-Jährige.

Mit dem orangenen Leder ist der Türke, der auch die schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, aufgewachsen. Denn sein Vater ist seit vielen Jahren Trainer von professionellen Basketballmannschaften, zuletzt von einem türkischen Erstliga-Damenteam. „Seitdem ich klein bin, habe ich unzählige Stunden in Hallen und Arenen verbracht“, sagt Alp Durur. Der schmächtige junge Mann ist kein Riese, dafür aber pfeilschnell, wurfstark und ein quirliger Verteidiger. In seiner türkischen Heimat spielt er für seine Schule und für eine Jugendmannschaft – in Soest geht es gegen „richtige“ Männer. „Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. In Deutschland gibt es viel mehr Jugend- und Amateurligen, die auf einem guten Niveau sind, als in der Türkei. Dafür sind die Profiteams in der türkischen Liga besser als hier“, sagt Alp Durur, aus dessen Heimatstadt Euroleague-Champion Fenerbahce Istanbul kommt.

Fast täglich ist der Austauschschüler in den Soester Hallen unterwegs. Zweimal pro Woche trainiert er jeweils bei der zweiten und dritten Herrenmannschaft mit, zusätzlich bei der U16 und als Trainer bei der U14. „Durch Sport knüpft man Kontakte und das wurde mir hier in Soest und im Verein sehr leicht gemacht“, so Durur. An der Bördestadt schätzt er besonders die frische Luft, die Architektur und die freundlichen Menschen.

„Aber die Jugendlichen hier unternehmen viel weniger und treffen sich nicht so oft“, wundert er sich. In Istanbul sei es an der Tagesordnung, mit Mitschülern nach dem Unterricht ins Café zu gehen, stundenlang zu quatschen oder sich durch die belebten Einkaufsstraßen zu schlängeln, sagt er.

Angetan ist er vom Essen hier: Bratwurst mit Senf gehört zu seinen neuen Leibgerichten. Trotzdem freut er sich auch auf die türkischen Speisen, die er serviert bekommt, wenn er über Ostern zwei Wochen lang nach Istanbul zurückkehrt, um seine Familie zu besuchen. „Es ist schön, meine Eltern und meinen Hund Kahve wieder zu sehen, aber ich freue mich auch schon sehr auf meine Rückkehr nach Deutschland“, sagt Alp Durur. Zurück zu Bratwürstchen, netten Mitschülern – und natürlich zum BC 70 Soest.

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